Wien, 26. 12. 2019

Seit geraumer Zeit erklärt die Wirtschaftskammer Wien den Österreichern, dass sie ihren Mitbürgern schaden würden, wenn sie über das Internet im Ausland einkaufen: „‚Wenn Sie bei mir einkaufen, finanzieren Sie keinem amerikanischen Online-Boss eine zweite Luxusyacht oder einen Privatjet, sondern meiner Tochter die Nachhilfestunde, meinem Enkerl das Weihnachtsgeschenk und meinen Mitarbeitern das Gehalt‘, sagen Wiener Unternehmer des stationären Handels in einem Video, das Weihnachten zum Anlass nimmt, um die Bedeutung des Einkaufens am Standort hervorzustreichen.“[1] Weiterlesen


[1] https://news.wko.at/news/wien/Kampagne-fuer-den-Handel-geht-viral.html, aufgerufen am 26. 12. 2019

Wien, 18. 11. 2019 Bereits vor einigen Jahren erhob Andreas Salcher den Anspruch, ein Bildungsexperte zu sein, indem er das Buch „Der talentierte Schüler und seine Feinde“ verfasste. Ich habe dieses Buch damals gelesen und meine Begeisterung hielt sich in deutlich überschaubaren Grenzen. Sucht man bei Google unter dem Stichwort „Bildungsexperte Salcher“ nach Beiträgen, so findet sich unter den ersten Angaben ein Interview im „Kurier“ vom 28. 11. 2017, worin er über Bildungsstandards schwatzt und sich in Phantasien über leistungsgerechte Bezahlung für Lehrer ergeht.[1] Weiterlesen


[1] Bernhard Gaul, Raffaela Lindorfer: Bildungsexperte Salcher: „Lehrer nach Leistung bezahlen“, in: https://kurier.at/politik/inland/bildungsexperte-salcher-lehrer-nach-leistung-bezahlen/299.972.248; aufgerufen a, 18. 11. 2019

Wien, 8. 11. 2019

Julien Bendas Untersuchung der Veränderungen in der Haltung der Intellektuellen entstand zwischen den beiden Weltkriegen. Als Verrat der Intellektuellen gilt ihm deren Abkehr von einer Wissenschaft, die allein der theoretischen Neugier folgt, ohne nach deren praktischem Nutzen zu streben. Diese Haltung habe früher bewirkt, dass die Intellektuellen sich von den politischen Auseinandersetzungen fernhielten oder den herrschenden Verhältnissen widersprachen, während sie nun diesen dienen würden. Weiterlesen

Bekanntlich hat um ca. 5.30 Uhr am 6. 10. 2019 ein 25-jähriger Mann in Kitzbühel seine ehemalige Verlobte und deren gesamte Familie sowie ihren vermutlich neuen Freund in einer Weise umgebracht, die einer Hinrichtung gleicht. Fünf Menschen wurden bei diesem Amoklauf ermordet, der an Amokläufe in Schulen erinnert. Obwohl diese grauenhafte Tat als „unfassbar“ bezeichnet wird, weil ja jeder unter Beweis stellen will, dass ihm so etwas Verwerfliches völlig fremd ist, gibt es auch jede Menge vermeintlicher Erklärungen über sie. Von Eifersucht und Besitzansprüchen ist die Rede, von schwachen Männern, die Trennungen nicht verkraften, und natürlich von patriarchalischen Strukturen, die dafür verantwortlich seien. Zu erwähnen ist hier das Interview von Armin Wolf mit Dr. Birgitt Haller vom Institut für Konfliktforschung in der ZIB 2 vom 7. 10. 2019. Dort sind bedenkliche Aussagen gefallen, die mich zu dieser Stellungnahme veranlasst haben. Weiterlesen

Eine lange Friedensperiode und mit dieser eine Phase der Stabilität sind für den Autor Daniel Kehlmann plötzlich unter Beschuss.[1] Das ist ihm so unbegreiflich, dass man gar nicht genau sagen könne, woher der Überdruss an dieser Phase eigentlich rühre. Er sagt zwar, er könne es nicht genau sagen, er weiß aber in Wirklichkeit überhaupt keinen Grund zu nennen und kann sich einfach nicht erklären, wie in der westlichen Welt auf einmal „Narren“ an die Schalthebel der Macht kommen, die ganz unverblümt nationalen und auch persönlichen Interessen dienen. Weiterlesen


[1] https://www.kleinezeitung.at/kultur/buecher/5665382/Zu-Boris-Johnson_Schriftsteller-Daniel-Kehlmann_Narren-haben-die, aufgerufen am 28. 7. 2019

Im März 2019 hat eine Dame namens Verena Brunschweiger mit dem Buch Kinderfrei statt kinderlos provoziert und für Entrüstung gesorgt. Darin erklärt sie den Kinderwunsch zu einem egoistischen Begehren und würdigt den Verzicht auf Fortpflanzung als Beitrag zum Umweltschutz. Deswegen sei es auch angebracht, von kinderfreien Frauen oder Paaren zu sprechen, wenn diese keine Kinder gezeugt haben, nicht jedoch von kinderlosen, als wäre ein Mangel, was sie der Umwelt zuliebe für wünschenswert hält. Weiterlesen

Wien, 22. 5. 2019 Wie in flagranti ertappte Dopingsünder sitzen die Herren Gudenus und Strache vor den heimlich aufgenommenen Gesprächen, die sie mit einer vermeintlichen russischen Oligarchennichte geführt haben. Und wie beim Doping glauben nur besonders einfältige und naive Menschen, dass andere Politiker sich nicht so verhalten und von ihrer Macht genau so viel Gebrauch machen würden, wie sie für möglich halten. Weiterlesen

Wien, 30 4. 2019

Mißverständnisse sind keine Angelegenheit des Verstehens, als welche sie durch besseres Verstehen zu erledigen gehen müßten; sie sind ein Bestandteil des Gefühlslebens. Sie sind vorhanden, weil ein Bedürfnis nach ihnen besteht.[1]

Man käme mit dem Schreiben nicht hinterher, wollte man alle Beispiele für Bildungskatastrophen in Deutschland und Österreich dokumentieren. Deswegen beschränke ich mich hier auf besondere „Höhepunkte“, zwei davon waren in den letzten Wochen zu bestaunen. Den ersten Gipfel der Dummheit bilden das sogenannte „Rattengedicht“[2] und die darauf folgenden Reaktionen, das zweite „Meisterwerk“ stellt eine Karikatur der steirischen FPÖ-Jugend[3] samt der damit verbundenen Stellungnahmen dar. Weiterlesen


[1] Peter Hacks: Ein Gespräch im Hause Stein über den abwesenden Herrn von Goethe, Berlin 20183, S. 67

[2] Die Presse, 23. 4. 2019; https://diepresse.com/home/innenpolitik/5616689/Braunauer-FPOeVizebuergermeister-tritt-nach-RattenGedicht-ab, aufgerufen am 29. 4. 2019

[3] https://mobil.krone.at/kmm__1/app__CORE/1911697, aufgerufen am 29. 4. 2019



In dem Märchen Die Bremer Stadtmusikanten der Gebrüder Grimm lädt der Esel den Hahn ein, ihn und seine Gefährten nach Bremen zu begleiten, weil diesem der Tod im Kochtopf droht. „Etwas Besseres als den Tod findest du überall“,[1] lauten die Worte des Esels, die den Hahn ermuntern sollen, sich ihnen anzuschließen. Das scheint nicht immer zuzutreffen, wenn man bedenkt, dass Don Quijote auf die Prügel, die er und Sancho Pansa bezogen hatten, diesen mit den Worten tröstete: „Es gibt „keinen Schmerz, den der Tod nicht heilte“.[2] Weiterlesen


[1] Brüder Grimm: Kinder- und Hausmärchen, Wien, o. J., S. 40 f.

[2] Miguel de Cervantes: Don Quijote, Würzburg 2006, S. 54

Vor einiger Zeit hat Herr Kickl wieder einmal den Unmut aller wohlmeinenden Menschen auf sich gezogen, die sich zur Verteidigung des Guten, Wahren und Schönen gegen dessen Angriffe berufen fühlen. Er hat nämlich eine Aussage getroffen, die so schlicht und einfach wie wahr ist, jedoch den guten Glauben, der über das hiesige Staatswesen herrscht, ins Mark erschüttert hat. Er hat es doch glatt gewagt, darauf hinzuweisen, dass das Recht der Politik folgt und nicht umgekehrt! Weiterlesen