Daniel Kehlmann versteht die Welt nicht (mehr?)

Eine lange Friedensperiode und mit dieser eine Phase der Stabilität sind für den Autor Daniel Kehlmann plötzlich unter Beschuss.[1] Das ist ihm so unbegreiflich, dass man gar nicht genau sagen könne, woher der Überdruss an dieser Phase eigentlich rühre. Er sagt zwar, er könne es nicht genau sagen, er weiß aber in Wirklichkeit überhaupt keinen Grund zu nennen und kann sich einfach nicht erklären, wie in der westlichen Welt auf einmal „Narren“ an die Schalthebel der Macht kommen, die ganz unverblümt nationalen und auch persönlichen Interessen dienen. Weiterlesen


[1] https://www.kleinezeitung.at/kultur/buecher/5665382/Zu-Boris-Johnson_Schriftsteller-Daniel-Kehlmann_Narren-haben-die, aufgerufen am 28. 7. 2019

Pier Paolo Pasolinis Kritik der Überbevölkerung und des Koitus

Im März 2019 hat eine Dame namens Verena Brunschweiger mit dem Buch Kinderfrei statt kinderlos provoziert und für Entrüstung gesorgt. Darin erklärt sie den Kinderwunsch zu einem egoistischen Begehren und würdigt den Verzicht auf Fortpflanzung als Beitrag zum Umweltschutz. Deswegen sei es auch angebracht, von kinderfreien Frauen oder Paaren zu sprechen, wenn diese keine Kinder gezeugt haben, nicht jedoch von kinderlosen, als wäre ein Mangel, was sie der Umwelt zuliebe für wünschenswert hält. Weiterlesen

Wenn Stasi-Methoden die „Richtigen“ treffen …

Wien, 22. 5. 2019 Wie in flagranti ertappte Dopingsünder sitzen die Herren Gudenus und Strache vor den heimlich aufgenommenen Gesprächen, die sie mit einer vermeintlichen russischen Oligarchennichte geführt haben. Und wie beim Doping glauben nur besonders einfältige und naive Menschen, dass andere Politiker sich nicht so verhalten und von ihrer Macht genau so viel Gebrauch machen würden, wie sie für möglich halten. Weiterlesen

Bildungskatastrophen – eine unendliche Geschichte

Wien, 30 4. 2019

Mißverständnisse sind keine Angelegenheit des Verstehens, als welche sie durch besseres Verstehen zu erledigen gehen müßten; sie sind ein Bestandteil des Gefühlslebens. Sie sind vorhanden, weil ein Bedürfnis nach ihnen besteht.[1]

Man käme mit dem Schreiben nicht hinterher, wollte man alle Beispiele für Bildungskatastrophen in Deutschland und Österreich dokumentieren. Deswegen beschränke ich mich hier auf besondere „Höhepunkte“, zwei davon waren in den letzten Wochen zu bestaunen. Den ersten Gipfel der Dummheit bilden das sogenannte „Rattengedicht“[2] und die darauf folgenden Reaktionen, das zweite „Meisterwerk“ stellt eine Karikatur der steirischen FPÖ-Jugend[3] samt der damit verbundenen Stellungnahmen dar. Weiterlesen


[1] Peter Hacks: Ein Gespräch im Hause Stein über den abwesenden Herrn von Goethe, Berlin 20183, S. 67

[2] Die Presse, 23. 4. 2019; https://diepresse.com/home/innenpolitik/5616689/Braunauer-FPOeVizebuergermeister-tritt-nach-RattenGedicht-ab, aufgerufen am 29. 4. 2019

[3] https://mobil.krone.at/kmm__1/app__CORE/1911697, aufgerufen am 29. 4. 2019



Leben und Tod

In dem Märchen Die Bremer Stadtmusikanten der Gebrüder Grimm lädt der Esel den Hahn ein, ihn und seine Gefährten nach Bremen zu begleiten, weil diesem der Tod im Kochtopf droht. „Etwas Besseres als den Tod findest du überall“,[1] lauten die Worte des Esels, die den Hahn ermuntern sollen, sich ihnen anzuschließen. Das scheint nicht immer zuzutreffen, wenn man bedenkt, dass Don Quijote auf die Prügel, die er und Sancho Pansa bezogen hatten, diesen mit den Worten tröstete: „Es gibt „keinen Schmerz, den der Tod nicht heilte“.[2] Weiterlesen


[1] Brüder Grimm: Kinder- und Hausmärchen, Wien, o. J., S. 40 f.

[2] Miguel de Cervantes: Don Quijote, Würzburg 2006, S. 54

Der skandalumwobene Herr Kickl

Vor einiger Zeit hat Herr Kickl wieder einmal den Unmut aller wohlmeinenden Menschen auf sich gezogen, die sich zur Verteidigung des Guten, Wahren und Schönen gegen dessen Angriffe berufen fühlen. Er hat nämlich eine Aussage getroffen, die so schlicht und einfach wie wahr ist, jedoch den guten Glauben, der über das hiesige Staatswesen herrscht, ins Mark erschüttert hat. Er hat es doch glatt gewagt, darauf hinzuweisen, dass das Recht der Politik folgt und nicht umgekehrt! Weiterlesen

Faire Mathematik-Matura und Ethikunterricht

Wien, 32. 1. 2019

Die österreichische Regierung hat die Absicht kundgetan, dem Nachwuchs einen Ethikunterricht[1] und eine faire Mathematik-Matura[2] zu spendieren. Sie gesteht damit auch ein, dass es sich bei der Mathematik-Matura seit der Einführung der Zentralmatura vor ungefähr vier Jahren um eine unfaire Angelegenheit gehandelt hat. Das ist wenig erstaunlich, hat man doch bereits während der Vorbereitungen der Zentralmatura in Lehrerkreisen vernommen, dass sich im Bereich „Mathematik“ einiges zusammenbraut. Eines der wesentlichen Probleme ist auch von Anfang an die Mehrdeutigkeit sprachlicher Formulierungen gewesen, weswegen es ein Anliegen dieser faireren Matura sein soll, für mehr Verständlichkeit zu sorgen. Weiterlesen



Bundeskanzler Sebastian Kurz: Kampf dem Defätismus!

Wien, 21. 1. 2019

In einem Interview mit der Zeitung Welt am Sonntag beklagt Österreichs Bundeskanzler Sebastian Kurz einen zaudernden Umgang mit den Herausforderungen neuer technologischer Entwicklungen: „Wann immer wir etwas Neues angehen, dann fokussieren wir uns zu stark auf die Risiken und auf ihre Beherrschung, statt die Chancen im Blick zu behalten. Das Ergebnis ist Überregulierung, die Innovationen hemmt.“[1] Kurz spricht seinen Landleuten also Mut zu, er fordert sein Volk auf, Veränderungen nicht als Risiko, sondern als Chance zu betrachten und anzugehen. Weiterlesen



[1] Kronen Zeitung, 20. 1. 2019, https://www.krone.at/1847230, aufgerufen am 21. 1. 2019

Bildungskatastrophen am Beispiel politischer Diskussionsbeiträge

Wien, 8. 1. 2019

In letzter Zeit sind einige Stellungnahmen zu vernehmen, die es sich mit ihrer „Kritik“ bemerkenswert einfach machen und so für die Verbreitung des falschen Urteils sorgen, dass Kritik eine einfache Angelegenheit sei, die jeder beherrsche. Ein Beispiel dafür ist das Video der SPÖ[1] zur Kritik der Regierungskoalition von ÖVP und FPÖ, worin das Rezept für deren politischen Erfolg bloßgestellt werden soll. So lautet der erste Tipp für eine erfolgreiche schwarz-blaue Regierung: „Finde eine Minderheit und mach sie zum Sündenbock.“ Man erfährt nicht einmal, weshalb diese Suche so einfach sei und wofür diese Minderheit zum Sündenbock gemacht werde. Weiterlesen


[1] Kleine Zeitung vom 8. 12. 2018, https://www.kleinezeitung.at/politik/innenpolitik/5543356/Kampf-der-Videos_Das-ist-die-FPOeAntwort-auf-SPOeKurzfilm

Beleidigte Rechtsansprüche – ihre Logik und ihre Fehler

„Wer vom Klassenantagonismus und der Ursache von Arbeitslosigkeit in der Kapitalkonkurrenz nichts wissen will, wird Armut und Verwahrlosung den Betroffenen als ihre individuelle oder kollektive (Fehl-)Leistung zurechnen.“[1] Der Zusammenhang dieser unschönen Erscheinungen mit der bürgerlichen Gesellschaft wird also geleugnet, wenn man Armut und Verwahrlosung zum individuellen Versagen jener erklärt, die davon betroffen sind. Um diesen Zusammenhang zu leugnen, muss man den Armen ihre Armut zur Last legen. Genauso begibt sich auf die Suche nach Schädlingen der Nation, wer nicht zur Kenntnis nehmen will, dass diese nicht den Zweck hat, den Bedürfnissen der Bürger zu dienen, die sie vielmehr für ihre Machtentfaltung einspannt. Nationalismus ist daher die notwendige Folge des Anliegens, in der bürgerlichen Gesellschaft, die der Staat verwaltet, seinen Erfolg zu suchen. Weiterlesen

[1] Renate Dillmann/Arian Schiffer-Nasserie: Der soziale Staat. Über nützliche Armut und ihre Verwaltung, Hamburg 2018, S. 213

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